Diabetologische Schwerpunktpraxis

Typ-2-Diabetes ist gut behandelbar — wenn die Therapie zum Alltag passt und konsequent durchgehalten wird.

Eine Diabetes-Diagnose verändert vieles. Plötzlich gibt es Messwerte, Tabletten, vielleicht Insulin — und das Gefühl, von Zahlen kontrolliert zu werden. Ein Patient hat einmal zu mir gesagt: „Man hat nie Urlaub davon." Dieser Satz hat mich geprägt — und er beschreibt nur die eine Seite. Die andere: Typ-2-Diabetes ist heute oft gut behandelbar.

Bei rechtzeitiger und konsequenter Therapie ist in einigen Fällen sogar eine Remission möglich. Entscheidend ist, dass die Therapie zum Menschen passt und nicht umgekehrt.

Anerkannte diabetologische Schwerpunktpraxis

Seit Juli 2026 ist unsere Praxis eine anerkannte diabetologische Schwerpunktpraxis im Leipziger Norden. Für Sie bedeutet das: strukturierte, leitliniengerechte Diabetesbetreuung aus einer Hand — von der Ersteinstellung über die kontinuierliche Glukosemessung (CGM/FGM) bis zur langfristigen Verlaufskontrolle, eingebunden in die Disease-Management-Programme (DMP) der Krankenkassen. Grundlage ist die von der Ärztekammer verliehene Zusatzbezeichnung Diabetologie. Dazu gehört auch ein entsprechend geschultes Praxisteam, das strukturierte Patientenschulungen anbietet — damit Sie Ihre Therapie verstehen und sicher im Alltag umsetzen können.

Was die Anerkennung praktisch bedeutet

Eine diabetologische Schwerpunktpraxis unterscheidet sich von der allgemeinen hausärztlichen Diabetesbetreuung in drei Punkten:

  • Qualifikation und Team: Grundlage ist die von der Ärztekammer verliehene Zusatzbezeichnung Diabetologie — dazu ein geschultes Praxisteam mit Diabetesassistentin, das strukturierte Schulungen durchführt.
  • Komplexere Therapien: Auch anspruchsvollere Einstellungen gehören dazu — etwa die intensivierte Insulintherapie oder moderne Wirkstoffkombinationen, wenn Tabletten allein nicht mehr ausreichen.
  • Alles an einem Ort: Diabetes kommt selten allein. Blutdruck, Blutfette, Gewicht, Nieren- und Leberwerte, Fußstatus und Schlaf behandeln wir in derselben Praxis — ohne Sie zwischen Terminen hin- und herzuschicken.

Für Sie ändert sich am Zugang nichts: Sie können sich direkt vorstellen. Sind Sie in ein Hausarztprogramm (HZV) eingeschrieben, ist eine Überweisung Ihres HZV-Hausarztes erforderlich.

Unser Ansatz: Lebensstil zuerst — Medikamente gezielt

Im Vordergrund steht bei uns die Lebensstilintervention: Ernährung, Bewegung, Schlaf und Gewicht sind die Stellschrauben, die den Verlauf eines Typ-2-Diabetes am nachhaltigsten verändern — und sie wirken auf Blutzucker, Blutdruck und Blutfette gleichzeitig. Genau dafür bringen wir die ernährungsmedizinische Qualifikation und die BIA-Körperanalyse mit ein.

Medikamente ersetzen das nicht — sie ergänzen es gezielt. Bei der Auswahl schauen wir nicht nur auf den Blutzuckerwert, sondern auf den Nutzen für Herz, Kreislauf und Nieren: Moderne Wirkstoffgruppen können bei entsprechendem Risikoprofil zusätzlich zur Blutzuckersenkung günstige Effekte auf Herz und Nieren haben — die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt sie daher bevorzugt für Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.[1]

Beim Insulin verfolgen wir ein klares Prinzip: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Hohe Insulindosen fördern Gewichtszunahme und Unterzuckerungen — beides erschwert die Behandlung zusätzlich. Wo es die Stoffwechselsituation zulässt, prüfen wir deshalb regelmäßig, ob sich die Insulindosis reduzieren oder die Insulintherapie ganz beenden lässt, etwa nach erfolgreicher Gewichtsreduktion oder Umstellung auf andere Wirkstoffe. Das gelingt nicht in jedem Fall — aber es ist eine Frage, die wir bei jeder Verlaufskontrolle stellen.

Schwerpunkte der diabetologischen Betreuung

  • Therapieplanung nach NVL: Leitliniengerechte Behandlung entsprechend der Nationalen VersorgungsLeitlinie Diabetes mellitus Typ 2[1]
  • Insulintherapie: ICT, BOT oder Mischinsuline — je nach Situation mit Anpassung im Verlauf
  • CGM/FGM: Kontinuierliche Glukosemessung für eine datengestützte Therapieoptimierung
  • Ernährungsberatung: Strukturierte Ernährungsvermittlung durch Zusatzqualifikation
  • DiGA: Einsatz digitaler Gesundheitsanwendungen zur Unterstützung der Therapie
  • Verlaufskontrollen im DMP: Quartalsweise Visiten im Disease-Management-Programm Diabetes Typ 2 — mit HbA1c, Blutdruck, Gewicht, Fußstatus und Anpassung des Therapieplans

Schulungen mit MEDIAS

Ein gut eingestellter Diabetes entsteht nicht in der Sprechstunde, sondern im Alltag — beim Einkaufen, beim Essen, im Urlaub, bei Krankheit. Deshalb bieten wir die MEDIAS-Schulungsprogramme an, durchgeführt von unserer Diabetesassistentin. MEDIAS ist ein evaluiertes, vom Bundesversicherungsamt anerkanntes Programm, das nicht auf Vorträge setzt, sondern auf das Verstehen der eigenen Werte und selbst erarbeitete Alltagslösungen. Themen sind unter anderem:

  • Wie Mahlzeiten, Bewegung und Stress den Blutzucker beeinflussen — und was das für Ihre Therapie heißt
  • Sichere Handhabung von Messgeräten, Sensoren und gegebenenfalls Insulin
  • Umgang mit Unterzuckerungen und mit Krankheitstagen
  • Fußpflege und worauf Sie selbst achten sollten

Die Schulungen im Rahmen des DMP sind Kassenleistung.

So läuft die Betreuung im Jahresverlauf

Nach der Ersteinstellung folgt ein fester Rhythmus — damit Veränderungen früh auffallen und nicht erst, wenn Beschwerden entstehen:

  • Quartalsweise: HbA1c, Blutdruck, Gewicht, Besprechung der Sensordaten und Anpassung des Therapieplans — einschließlich der Frage, ob sich Medikamente reduzieren lassen
  • Einmal jährlich: Fußstatus, Nierenwerte, Blutfette und Kontrolle der Begleiterkrankungen
  • Dazwischen: kurzfristige Termine, wenn sich etwas ändert — neue Medikamente, Krankheit, ungewöhnliche Werte

Wie sich moderne Sensordaten dabei nutzen lassen, erklären wir im Beitrag Mehr als der HbA1c: Time in Range.

Zusammenarbeit mit Spezialisten

Manche Fragen gehören in erfahrene Spezialistenhände — wir organisieren die Anbindung, statt Sie selbst suchen zu lassen:

  • Augenärztliche Kontrollen: Über enge Kooperationen mit augenärztlichen Praxen stellen wir sicher, dass die jährliche Netzhautuntersuchung nicht liegen bleibt.
  • Diabetisches Fußsyndrom: Bei Wunden oder auffälligem Fußstatus arbeiten wir mit dem Praxisklinik West (spezialisierte Wundversorgung bei diabetischen Fußkomplikationen) zusammen.
  • Insulinpumpentherapie bieten wir in unserer Praxis nicht an; für die Pumpeneinstellung überweisen wir an spezialisierte Praxen.

Zwei häufige Begleiter im Blick

Zwei Faktoren erschweren die Blutzuckereinstellung besonders häufig: eine unerkannte obstruktive Schlafapnoe (verschlechtert die Insulinsensitivität[2]) und eine ungünstige Körperzusammensetzung. Gewichtsreduktion ist dabei ein starker Hebel: In der DiRECT-Studie (Lean et al., 2018) erreichten 46 % der Teilnehmer nach strukturierter Gewichtsabnahme eine Diabetes-Remission.[3] Wir prüfen beides bei Bedarf gezielt und planen die Therapie entsprechend.

Qualifikationen und Mitgliedschaften

Zusatzbezeichnung Diabetologie und Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin (Ärztekammer Sachsen-Anhalt, 2024). Mitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM).

Quellenangaben

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), AWMF. Version 3.0, 2023.
  2. Reutrakul S, Van Cauter E. Sleep influences on obesity, insulin resistance, and risk of type 2 diabetes. Metabolism. 2018;84:56–66.
  3. Lean MEJ, Leslie WS, Barnes AC et al. Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet. 2018;391(10120):541–551.

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