Kontinuierliche Glukosemessung (CGM / FGM)
Moderne Sensortechnik für eine präzise Erfassung der Glukoseverläufe ohne lästige Fingerpiekse — die Basis für eine datengestützte Therapieoptimierung.
Kontinuierliche Glukosemessung mit CGM (Continuous Glucose Monitoring) oder FGM (Flash Glucose Monitoring) ermöglicht eine genaue Erfassung des Glukoseverlaufs über 24 Stunden ohne wiederholte Fingerpiekse. In unserer Praxis setzen wir die aktuellen Systeme Dexcom G7 und FreeStyle Libre 3 (Abbott) ein. Die Sensoren zeigen nicht nur den aktuellen Blutzuckerwert, sondern auch Trends — steigend, fallend oder stabil — und helfen Patienten, ihre Erkrankung besser zu verstehen und selbstständig zu managen.
Unsere Sensorsysteme
In der Praxis setzen wir die aktuell etablierten Systeme Dexcom G7 und FreeStyle Libre 3 (Abbott) ein. Beide übertragen die Werte automatisch auf das Smartphone und stellen sie über eine zugehörige App (Dexcom Clarity bzw. LibreView) als Tagesprofile, Trend-Analyse und ambulantes Glukoseprofil (AGP) dar. Die Wahl zwischen den Systemen treffen wir gemeinsam — je nach Therapie, Tragekomfort und persönlichen Vorlieben.


Abbildungen: © Dexcom, Inc. (links) · © Abbott Diabetes Care (rechts)
Was moderne CGM-Systeme heute leisten
Aktuelle rtCGM-Systeme warnen vorausschauend, bevor der Wert kritisch wird — nicht erst bei der akuten Hypoglykämie.[3]
Moderne Sensoren sind innerhalb von 30 Minuten nach dem Setzen einsatzbereit — ohne lange Wartezeit.[3]
Ein Sensor versorgt Sie über eine bis zwei Wochen mit kontinuierlichen Daten — unkompliziert im Alltag.[3]
Glukosewerte lassen sich auf Smartphone, Smartwatch oder einem separaten Empfänger ablesen — je nach Alltagssituation.[3]
Angaben beziehen sich auf aktuelle rtCGM-Systeme (u. a. Dexcom G7). Quelle: Dexcom, Inc. — MAT-5753 REV001, 2025. © Dexcom, Inc.
Diagnostischer Mehrwert
- Nächtliche Hypoglykämien: Viele Patienten erleben nächtliche Unterzuckerungen, ohne dies zu bemerken. CGM/FGM deckt dies auf.
- Time in Range (TiR): Die Zeit, in der die Glukose im optimalen Bereich liegt, ist ein besseres Qualitätsmerkmal als allein das HbA1c.
- Datenbasierte Therapieanpassung: Auf Grundlage der Sensordaten können Insulinmengen und Mahlzeiten gezielt angepasst werden.
- Eigenkompetenz fördern: Patienten sehen unmittelbar, wie sich Nahrung, Bewegung und Stress auf ihre Blutzucker auswirken.
Einsatz in unserer Praxis
CGM-Systeme kommen in unserer Praxis in zwei klar unterschiedlichen Kontexten zum Einsatz. Welcher für Sie zutrifft, hängt von Ihrer Diagnose und Therapieform ab.
CGM bei Diabetes — Kassenleistung
Für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 unter intensivierter Insulintherapie (ICT) oder Insulinpumpentherapie ist die kontinuierliche Glukosemessung eine Kassenleistung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Sensorkosten, wenn die Verordnungskriterien erfüllt sind.
Indikationen für die Kostenübernahme:
- Insulintherapie mit mindestens 3 Injektionen täglich (ICT) oder Insulinpumpe (CSII)
- Wiederkehrende schwere Hypoglykämien oder Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung
- Unbefriedigende Stoffwechsellage trotz optimierter Insulintherapie
- Schwangerschaft bei vorbestehendem Diabetes
In unserer Praxis begleiten wir Sie bei der Erstverordnung, der Sensoranlage und der regelmäßigen Auswertung der CGM-Daten. Die Therapieanpassung erfolgt auf Basis der Clarity- bzw. LibreView-Reports — mit Blick auf Time in Range, glykämische Variabilität und Hypoglykämierate.
Hinweis: Wir betreuen die Sensorversorgung selbst. Die Einstellung und Betreuung einer Insulinpumpentherapie (CSII) führen wir aktuell nicht in unserer Praxis durch — hier vermitteln wir an spezialisierte Diabetes-Schwerpunktpraxen.
CGM als Stoffwechsel-Screening — Selbstzahlerleistung (IGeL)
IGeLAuch ohne Diabetes-Diagnose oder Insulintherapie liefert eine zeitlich begrenzte Glukosemessung wertvolle Einblicke in Ihren Stoffwechsel. In diesem Fall handelt es sich um eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), deren Kosten Sie selbst tragen.
Für wen ist das sinnvoll?
- Übergewicht und Adipositas: Der Biofeedback-Effekt kann die Gewichtsreduktion unterstützen — Sie erkennen, welche Mahlzeiten problematische Glukosespitzen auslösen, und passen Ihr Verhalten selbstständig an.
- Insulinresistenz: Auch bei noch normalem HbA1c zeigt das CGM bereits postprandiale Glukosespitzen und erhöhte glykämische Variabilität — Frühzeichen, die im Nüchternlabor oft unentdeckt bleiben.
- Prädiabetes (IFG / IGT): Bei grenzwertigen Werten liefert das CGM ein realistisches 24-Stunden-Bild und motiviert zu gezielten Lebensstiländerungen, die eine Progression zum manifesten Diabetes verhindern können.
- Metabolisches Syndrom: Kombination mit BIA-Messung und Laborscreening für eine umfassende Stoffwechselanalyse.
Was die Leistung umfasst:
- Sensoranlage in der Praxis — Platzierung eines Dexcom G7 oder FreeStyle Libre 3 und Einweisung in die Smartphone-App
- 4 Wochen kontinuierliches Monitoring — automatische Erfassung der Glukosewerte rund um die Uhr, inklusive Trendpfeilen und Alarmen
- Ärztliche Auswertung und Beratung — Analyse des Ambulanten Glukoseprofils (AGP), Time in Range und glykämischer Variabilität mit Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung und Mahlzeitentiming
Wir führen das CGM-Screening im Rahmen der ausführlichen Sprechstunde donnerstags durch. Umfang und Kosten besprechen wir vorab.
Der Biofeedback-Effekt: Sehen, was Essen bewirkt
Der größte Vorteil der kontinuierlichen Glukosemessung liegt nicht nur in den Daten, sondern im Echtzeit-Feedback. Wenn Sie nach einer Mahlzeit auf dem Sensor sehen, wie Ihr Blutzucker reagiert, verändert das Ihr Verhalten — nachhaltiger als jede Ernährungsregel auf Papier.
Die Forschung bestätigt diesen Effekt: In einer randomisierten Studie der George Mason University (2024) erreichten Prädiabetes-Patienten mit CGM-gestützter Ernährungsberatung die doppelte Gewichts- und Fettreduktion im Vergleich zur Kontrollgruppe — ohne spezifische Diätanweisungen.[1] Auch eine große Kohortenstudie mit über 2.200 Teilnehmern zeigte: Bereits 28 Tage CGM-Nutzung führten zu messbaren Verbesserungen bei Hyperglykämien, glykämischer Variabilität und Körpergewicht — insbesondere bei übergewichtigen Personen ohne Diabetes.[2]
Das Prinzip dahinter ist einfach: Was Sie messen können, können Sie verändern. Ein Glukosesensor macht den Zusammenhang zwischen Ernährung, Bewegung und Stoffwechsel sichtbar — und das motiviert zu Veränderungen, die bleiben.
Quellenangaben
- Basiri R, Cheskin LJ. Personalized Nutrition Therapy without Weight Loss Counseling Produces Weight Loss in Individuals with Prediabetes Who Are Overweight/Obese: A Randomized Controlled Trial. Nutrients. 2024;16(14):2218.
- Ehrhardt N, Al Zaghal E. Behavior Modification in Prediabetes and Diabetes: Potential Use of Real-Time Continuous Glucose Monitoring. J Diabetes Sci Technol. 2019;13(2):271–275.
- Dexcom, Inc. Dexcom G7 Benutzerhandbuch. Technische Daten; MAT-5753 REV001, 2025. © Dexcom, Inc.
- Martens T, et al. Effect of Continuous Glucose Monitoring on Glycemic Control in Patients With Type 2 Diabetes Treated With Basal Insulin: A Randomized Clinical Trial (MOBILE). JAMA. 2021;325(22):2262–2272.
- Heinemann L, et al. Real-time continuous glucose monitoring in adults with type 1 diabetes and impaired hypoglycaemia awareness or severe hypoglycaemia treated with multiple daily insulin injections (HypoDE): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet. 2018;391(10128):1367–1377.
- Šoupal J, et al. Glycemic Outcomes in Adults With T1D Are Impacted More by Continuous Glucose Monitoring Than by Insulin Delivery Method: 3 Years of Follow-Up From the COMISAIR Study. Diabetes Care. 2020;43:37–43.
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