Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen
Ein- und Durchschlafstörungen sind häufig — und werden oft jahrelang ignoriert. Dabei lässt sich die Ursache meistens klären, wenn man gezielt danach sucht.
Ein- und Durchschlafstörungen werden oft jahrelang hingenommen. Dabei lassen sich Ursache und Therapie meistens klar benennen, wenn man systematisch hinschaut. Chronische Schlafstörungen sind nicht harmlos: sie erhöhen das kardiovaskuläre Risiko und verschlechtern die Glukosetoleranz.[1,2]
Chronische Insomnie — mehr als „schlecht schlafen"
Chronische Insomnie betrifft in Deutschland etwa 6 % der erwachsenen Bevölkerung[5]. Sie ist definiert durch Ein- oder Durchschlafstörungen an mindestens drei Nächten pro Woche über mindestens drei Monate, verbunden mit einer Beeinträchtigung der Tagesfunktion (Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Leistungsabfall). Häufig wird Insomnie als „Befindlichkeitsstörung" abgetan — tatsächlich ist sie ein eigenständiges Krankheitsbild mit messbaren Auswirkungen auf Stoffwechsel, kardiovaskuläres Risiko und psychische Gesundheit.
Diagnostik: klinisch, nicht apparativ
Die Diagnose erfolgt klinisch — auf Basis von Anamnese, Schlaftagebuch über zwei Wochen und validierten Fragebögen (ISI, PSQI). Eine Polysomnographie ist in der Routinediagnostik nicht erforderlich; sie kommt nur bei Verdacht auf eine begleitende organische Schlafstörung oder therapieresistenter Insomnie in Frage.[6]
Erstlinientherapie: Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I)
Die European Insomnia Guideline 2023 und die S3-Leitlinie empfehlen übereinstimmend die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I) als Therapie der ersten Wahl — nicht Schlafmittel[6]. CBT-I ist ein strukturiertes, in der Regel 6–8 Sitzungen umfassendes Programm mit mehreren Bausteinen: Schlafedukation, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Gedanken zum Schlaf und Entspannungsverfahren.
Eine Metaanalyse von 241 randomisierten Studien mit über 31.000 Teilnehmern zeigte, dass CBT-I die Wahrscheinlichkeit einer Insomnie-Remission um das 2,5-Fache erhöht (OR 2,50)[7]. Die Effekte sind nachhaltig und überdauern das Therapieende — im Gegensatz zu medikamentösen Ansätzen, die nach Absetzen häufig mit einem Rückfall einhergehen.
In Deutschland stehen für die CBT-I neben einer klassischen Psychotherapie inzwischen auch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) wie somnio zur Verfügung, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden und eine leitliniengerechte CBT-I strukturiert und evidenzbasiert anbieten. Ich berate Sie gerne, welcher Weg in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Medikamentöse Therapie — wenn CBT-I nicht ausreicht
Wenn CBT-I nicht verfügbar oder nicht ausreichend wirksam ist, kommt eine medikamentöse Therapie in Betracht. Klassische Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon) sollten wegen Toleranz, Abhängigkeitspotential und Sturzrisiko nicht länger als vier Wochen eingesetzt werden[6]. Inzwischen stehen modernere Alternativen mit deutlich geringerem Abhängigkeitsrisiko zur Verfügung; ergänzend kommen niedrig dosierte sedierende Antidepressiva (z. B. Doxepin, Trazodon, Mirtazapin) oder retardiertes Melatonin (über 55 Jahre) infrage. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt von Komorbiditäten und bestehender Medikation ab — das besprechen wir individuell.
Erfahrung in der Schlafmedizin
Ich bringe mehrjährige klinische Erfahrung aus dem Schlaflabor mit. Dies umfasst die Durchführung und Interpretation von Polygraphien, Polysomnographien und die leitliniengerechte Therapie verschiedener Schlafstörungen. Seit 2025 absolviere ich eine formale Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Schlafmedizin am Schlafzentrum Halle/Saale.
Diagnostisches Vorgehen
Erster Schritt ist eine ausführliche Schlafanamnese und der Einsatz standardisierter Fragebögen wie Epworth Sleepiness Scale (ESS)[3] und STOP-BANG[4]. Bei Verdacht auf schlafbezogene Atemstörungen ergänzen wir eine ambulante Polygraphie; bei reinen Ein-/Durchschlafstörungen ohne Atmungsverdacht steht die klinische Diagnostik im Vordergrund.
Differenziert wird zwischen Insomnie, Restless-Legs-Syndrom, schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS / OSA) und zirkadianen Rhythmusstörungen. Wenn eine vollständige Schlafstadienbewertung erforderlich ist, bieten wir die ambulante Polysomnographie als Privatleistung an — Messung zuhause in der gewohnten Umgebung. Bei komplexen Fällen Überweisung an ein schlafmedizinisches Zentrum.
Die Diagnostik von Schlafstörungen mit Polygraphie ist eine Kassenleistung. Ich absolviere derzeit eine Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Schlafmedizin (seit 2025).
Quellenangaben
- S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf / Schlafstörungen — Insomnie bei Erwachsenen" (AWMF-Register Nr. 063-003). Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).
- Cappuccio FP, D'Elia L, Strazzullo P, Miller MA. Sleep duration and all-cause mortality: a systematic review and meta-analysis. Sleep. 2010;33(5):585–592.
- Johns MW. A new method for measuring daytime sleepiness: the Epworth sleepiness scale. Sleep. 1991;14(6):540–545.
- Chung F, Yegneswaran B, Liao P et al. STOP questionnaire: a tool to screen patients for obstructive sleep apnea. Anesthesiology. 2008;108(5):812–821.
- Schlack R et al. Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen erwachsenen Bevölkerung. Bundesgesundheitsblatt. 2013;56:740–748.
- Riemann D et al. The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res. 2023;32(6):e14035.
- Trauer JM, Qian MY, Doyle JS, Rajaratnam SMW, Cunnington D. Cognitive behavioral therapy for chronic insomnia: a systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med. 2015;163(3):191–204.
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