Schlaf & Gewicht
Schlafapnoe bei Frauen: das oft übersehene Risiko
Erschöpfung, Schlafstörungen, morgendliche Kopfschmerzen — bei Frauen trägt die Schlafapnoe oft eine andere Maske als das laute Schnarchen der Lehrbücher. Warum sie deshalb häufig spät erkannt wird.
von dr. med. univ. Albrecht Wenzel · Juli 2026
Das Klischee der Schlafapnoe ist männlich: lautes Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, Tagesmüdigkeit. Genau dieses Bild ist ein Problem — denn bei Frauen zeigt sich die Erkrankung häufig anders, und so bleibt sie öfter unerkannt als bei Männern.[1,2]
Andere Symptome, gleiche Erkrankung
Frauen mit obstruktiver Schlafapnoe berichten seltener über klassisches lautes Schnarchen — und häufiger über:
- Erschöpfung und Energielosigkeit statt klassischer Einschlafneigung
- Ein- und Durchschlafstörungen — die Schlafapnoe versteckt sich hinter einer vermeintlichen Insomnie
- Morgendliche Kopfschmerzen
- Stimmungsveränderungen bis hin zu depressiven Verstimmungen
Wer mit diesen Beschwerden ärztliche Hilfe sucht, wird nicht selten zunächst in Richtung Stress, Stimmung oder Hormone eingeordnet — die nächtliche Atmung gerät erst spät in den Blick.[1]
Nach den Wechseljahren steigt das Risiko deutlich
Vor den Wechseljahren sind Frauen seltener betroffen als Männer — danach holt ihr Risiko deutlich auf.[2,3] Bevölkerungsstudien zeigen, dass schlafbezogene Atemstörungen bei Frauen im mittleren und höheren Alter weit verbreitet sind — die Mehrzahl davon unerkannt.[3] Auch Gewichtszunahme, etwa in und nach den Wechseljahren, erhöht das Risiko — das Zusammenspiel erklären wir im Beitrag Schlafapnoe und Übergewicht.
Warum sich die Abklärung lohnt
Eine unbehandelte Schlafapnoe belastet Blutdruck, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System — und sie raubt spürbar Lebensqualität. Die gute Nachricht: Die Abklärung ist unkompliziert. Ein erster Anhalt ist unser Selbsttest zur Tagesschläfrigkeit; bei begründetem Verdacht folgt die ambulante Polygraphie — eine Messnacht zuhause im eigenen Bett, bei Indikation als Kassenleistung.
Wichtig für Frauen: Sprechen Sie Erschöpfung, unerklärte Schlafstörungen und morgendliche Kopfschmerzen aktiv an — auch wenn niemand über Schnarchen klagt. Genau diese Konstellation ist es, die zu oft übersehen wird.
Quellenangaben
- Bonsignore MR et al. Sex differences in obstructive sleep apnoea. Eur Respir Rev. 2019;28:190030.
- S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen — Schlafbezogene Atmungsstörungen. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), 2017; Teilaktualisierung 2020.
- Heinzer R et al. Prevalence of sleep-disordered breathing in the general population: the HypnoLaus study. Lancet Respir Med. 2015;3(4):310–318.
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