Prädiabetes: wenn der Langzeitzucker leicht erhöht ist
Ein leicht erhöhter Langzeitzucker verunsichert viele Menschen. Meist ist er ein früher Hinweis, und in diesem Stadium lässt sich der Stoffwechsel oft noch gut beeinflussen. Als diabetologische Schwerpunktpraxis in Leipzig klären wir solche Werte ab und begleiten Sie dabei.
von dr. med. univ. Albrecht Wenzel · November 2026
- Ein HbA1c von 5,7 bis 6,4 Prozent zeigt ein erhöhtes Diabetes-Risiko, aber noch keinen Diabetes.
- Ein Nüchternblutzucker und bei Bedarf ein Zuckerbelastungstest zeigen, wo Sie stehen.
- Nervenschäden an den Füßen können schon in dieser Phase beginnen, frühes Gegensteuern lohnt sich deshalb.
- Mehr Bewegung, angepasste Ernährung und bei Übergewicht eine moderate Gewichtsabnahme senken das Risiko deutlich.
Was der Wert bedeutet
Der Langzeitzucker (HbA1c) spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen[1]. Ein einzelnes üppiges Essen verändert ihn kaum. Bei Eisenmangel, Blutarmut, in der Schwangerschaft oder bei einer Nierenerkrankung ist er weniger verlässlich; dann entscheiden direkte Blutzuckermessungen[1][2].
Grenzwerte nach ADA und DDG[1][3]
Pro Jahr entwickeln etwa 5 bis 10 von 100 Menschen mit Prädiabetes einen Typ-2-Diabetes[4].
Warum sich frühes Gegensteuern lohnt
Prädiabetes betrifft nicht nur den Blutzucker. Schon in dieser Phase treten Nervenschäden an Füßen und Beinen (Polyneuropathie) häufiger auf: In einer Augsburger Bevölkerungsstudie hatten etwa 11 bis 13 von 100 Menschen mit Prädiabetes eine Polyneuropathie, bei normalem Zuckerstoffwechsel etwa 7 von 100[5]. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist leicht erhöht[6].
Wer seine Werte wieder in den Normalbereich bringt, senkt sein späteres Diabetes-Risiko deutlich[7]. Kribbeln, Brennen oder Taubheit in den Füßen sprechen Sie bitte an.
So klären wir den Befund ab
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Werte sichern
Nüchternblutzucker, bei Grenzbefunden ein Zuckerbelastungstest über zwei Stunden. Für den HbA1c müssen Sie nicht nüchtern sein, für den Nüchternblutzucker bitte acht Stunden vorher nichts essen.
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Gesamtbild
Blutdruck, Blutfette, Leberwerte und Taillenumfang zeigen, ob ein metabolisches Syndrom vorliegt. Bei Beschwerden prüfen wir auch die Nerven an den Füßen.
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Plan und Verlauf
Erreichbare Ziele für Bewegung, Ernährung und Schlaf. Kontrolle mindestens einmal im Jahr, bei steigenden Werten früher[1].
Was Ihr Risiko senkt
In zwei großen Studien sank das Diabetes-Risiko durch Ernährungsberatung und mehr Bewegung innerhalb von rund drei Jahren um 58 Prozent[8][9]. Die Ziele waren 5 bis 7 Prozent weniger Gewicht und mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche.
- Bewegung, die in Ihren Alltag passt, gern mit etwas Krafttraining. Die Muskeln nehmen den größten Teil des Blutzuckers auf.
- Mahlzeiten mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn, zum Trinken Wasser statt süßer Getränke.
- Genug Schlaf: Schon wenige kurze Nächte verschlechtern die Zuckerverwertung[10]. Wer schnarcht oder tagsüber oft müde ist, kann das in der Schlafdiagnostik abklären lassen.
Sie müssen das nicht allein schaffen. In der ernährungsmedizinischen Beratung suchen wir gemeinsam Schritte, die zu Ihrem Alltag passen. Medikamente sind bei Prädiabetes die Ausnahme. Bei Adipositas begleitet Sie unsere Adipositas-Sprechstunde.
Welcher Arzt bei Prädiabetes?
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Eine diabetologische Schwerpunktpraxis ist sinnvoll, wenn der Wert im Graubereich bleibt oder steigt, wenn Risiken wie Übergewicht, Bluthochdruck, Fettleber oder Diabetes in der Familie dazukommen oder wenn Sie gezielt gegensteuern möchten. Unsere Praxis im Leipziger Norden ist anerkannte diabetologische Schwerpunktpraxis und Schwerpunktpraxis für Ernährungsmedizin (BDEM); wie Sie einen Termin bekommen, steht bei den Informationen für Neupatienten.
Häufige Fragen
Mein HbA1c liegt bei 5,8 Prozent. Habe ich Diabetes?
Nicht allein aufgrund dieses Werts. 5,8 Prozent liegt im Graubereich. Ob bereits ein Diabetes besteht, klären der Nüchternblutzucker und bei Bedarf ein Zuckerbelastungstest.
Lässt sich Prädiabetes rückgängig machen?
Ja, das ist möglich. Mit einem dauerhaft veränderten Lebensstil können die Werte in den Normalbereich zurückkehren[7]. In Langzeitdaten aus den USA und China war bei Menschen, deren Werte wieder normal wurden, das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben oder wegen Herzschwäche ins Krankenhaus zu kommen, über 20 bis 30 Jahre etwa halb so hoch[11]. Die Veranlagung bleibt aber bestehen: Nimmt das Gewicht wieder zu oder lässt die Bewegung nach, steigen die Werte oft erneut. Kontrollen bleiben deshalb auch bei normalen Werten wichtig.
Worauf kommt es beim Abnehmen an?
Weniger auf die Waage als auf den Bauch. In einer deutschen Studie normalisierten sich die Werte bei 43 von 100 Menschen, die mindestens 5 Prozent abgenommen hatten. Ob das gelang, hing nicht davon ab, wie viel jemand abgenommen hatte, sondern davon, ob das Bauchfett schwand und Insulin wieder besser wirkte. Die Chance stieg, wenn der Taillenumfang bei Frauen um etwa 4 und bei Männern um etwa 7 Zentimeter abnahm. Mit normalisierten Werten war das Diabetes-Risiko in den zwei Jahren danach um 73 Prozent niedriger[12]. Im Verlauf messen wir deshalb nicht nur das Gewicht.
Helfen Hafertage?
Bei Hafertagen gibt es zwei Tage lang fast nur Haferbrei, dreimal am Tag. In kleinen Studien bei Typ-2-Diabetes mit ausgeprägter Insulinresistenz sank danach der Insulinbedarf deutlich[13][14]. Bei Menschen mit metabolischem Syndrom senkten zwei Hafertage vor allem das LDL-Cholesterin, stärker als eine ebenso kalorienarme Kost ohne Hafer[15]. Für Prädiabetes sind Hafertage kaum untersucht. Sie können ein Einstieg sein, ersetzen aber keine dauerhafte Umstellung. Wer blutzuckersenkende Medikamente nimmt, spricht Hafertage bitte vorher mit uns ab.
Was unterscheidet Prädiabetes von einer Insulinresistenz?
Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen schwächer auf Insulin, der Blutzucker kann dabei noch lange normal sein. Beim Prädiabetes ist er bereits erhöht. Oft besteht beides zugleich. Mehr dazu im Beitrag Insulinresistenz.
Quellenangaben
- American Diabetes Association. Standards of Care in Diabetes 2026, Kapitel 2: Diagnosis and Classification of Diabetes. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1).
- English E, Idris I, Smith G, Dhatariya K, Kilpatrick ES, John WG. The effect of anaemia and abnormalities of erythrocyte indices on HbA1c analysis: a systematic review. Diabetologia. 2015;58(7):1409–1421.
- Deutsche Diabetes Gesellschaft. DDG-Praxisempfehlung „Definition, Klassifikation, Diagnose und Differenzialdiagnose des Diabetes mellitus“, aktuelle Fassung.
- Tabák AG, Herder C, Rathmann W, Brunner EJ, Kivimäki M. Prediabetes: a high-risk state for diabetes development. Lancet. 2012;379(9833):2279–2290.
- Ziegler D, Rathmann W, Dickhaus T, Meisinger C, Mielck A; KORA Study Group. Prevalence of polyneuropathy in pre-diabetes and diabetes is associated with abdominal obesity and macroangiopathy: the MONICA/KORA Augsburg Surveys S2 and S3. Diabetes Care. 2008;31(3):464–469.
- Huang Y, Cai X, Mai W, Li M, Hu Y. Association between prediabetes and risk of cardiovascular disease and all cause mortality: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2016;355:i5953.
- Perreault L et al. Effect of regression from prediabetes to normal glucose regulation on long-term reduction in diabetes risk: results from the Diabetes Prevention Program Outcomes Study. Lancet. 2012;379(9833):2243–2251.
- Tuomilehto J et al. Prevention of type 2 diabetes mellitus by changes in lifestyle among subjects with impaired glucose tolerance (Finnish Diabetes Prevention Study). N Engl J Med. 2001;344(18):1343–1350.
- Knowler WC et al. Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin (Diabetes Prevention Program). N Engl J Med. 2002;346(6):393–403.
- Spiegel K, Leproult R, Van Cauter E. Impact of sleep debt on metabolic and endocrine function. Lancet. 1999;354(9188):1435–1439.
- Vazquez Arreola E, Gong Q, Hanson RL et al. Prediabetes remission and cardiovascular morbidity and mortality: post-hoc analyses from the Diabetes Prevention Program Outcome study and the DaQing Diabetes Prevention Outcome study. Lancet Diabetes Endocrinol. 2026;14(2):137–148.
- Sandforth A, Jumpertz von Schwartzenberg R, Vazquez Arreola E, Hanson RL et al. Mechanisms of weight loss-induced remission in people with prediabetes: a post-hoc analysis of the randomised, controlled, multicentre Prediabetes Lifestyle Intervention Study (PLIS). Lancet Diabetes Endocrinol. 2023;11(11):798–810.
- Lammert A et al. Clinical benefit of a short term dietary oatmeal intervention in patients with type 2 diabetes and severe insulin resistance: a pilot study. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2008;116(2):132–134.
- Delgado G, Kleber ME, Krämer BK et al. Dietary intervention with oatmeal in patients with uncontrolled type 2 diabetes mellitus: a crossover study. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2019;127(9):623–629.
- Klümpen L, Mantri A, Philipps M et al. Cholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome: a randomized controlled trial. Nat Commun. 2026;17:598.
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