Grippeimpfung: Zeitpunkt, Empfehlung und Kosten

Eine Grippe verläuft oft schwerer als eine Erkältung, besonders bei älteren Menschen und bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes.

von dr. med. univ. Albrecht Wenzel · November 2026

Das Wichtigste in Kürze
  • Jetzt ist ein guter Zeitpunkt: am günstigsten von Oktober bis Mitte Dezember. Der Schutz steht nach 10 bis 14 Tagen, nachholen lässt sich die Impfung auch während der Grippewelle[1].
  • Empfohlen jedes Jahr ab 60 Jahren, bei chronischen Erkrankungen und in der Schwangerschaft[2], in Sachsen allen Erwachsenen[3].
  • Ab 60 Jahren wird ein hoch dosierter Impfstoff oder ein Impfstoff mit Wirkverstärker verwendet[1].
  • Für alle, denen die STIKO die Impfung empfiehlt, zahlt die gesetzliche Krankenkasse, ab 60 auch den verstärkten Impfstoff[1].
  • Bei uns geht die Impfung auch ohne Termin: in der Akutsprechstunde, Montag bis Freitag von 8 bis 9 Uhr.

Was die Impfung bringt

Wie gut die Grippeimpfung wirkt, schwankt von Saison zu Saison. In Studien aus Europa und den USA senkte sie das Risiko, wegen einer im Labor nachgewiesenen Grippe zum Arzt zu müssen, um 20 bis 60 Prozent. Bei älteren Menschen wirkt sie weniger zuverlässig als bei jungen Erwachsenen[1].

Ältere Menschen: an Grippe erkrankt in einer Saison

10ohne Impfung

6mit Impfung

Rechenbeispiel des Robert Koch-Instituts: angenommen, 10 von 100 Ungeimpften erkranken; mittlere Wirksamkeit bei Älteren 41 Prozent[1]

Nach einem Herzinfarkt: Tod, erneuter Infarkt oder Stentthrombose innerhalb eines Jahres

7ohne Impfung

5mit Impfung

Randomisierte Studie mit 2.532 Patientinnen und Patienten, geimpft kurz nach dem Infarkt: 7,2 gegenüber 5,3 Prozent[4]

Jeder Punkt steht für einen von 100 Menschen.

Eine Grippe belastet auch Herz und Kreislauf. In einer kanadischen Studie war das Herzinfarktrisiko in der ersten Woche nach einer nachgewiesenen Grippe etwa sechsmal so hoch wie sonst[5]. Bei Typ-2-Diabetes war die Impfung in einer großen britischen Beobachtungsstudie mit weniger Krankenhausaufnahmen wegen Schlaganfall, Herzschwäche oder Lungenentzündung und mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden[6]. Ursache und Wirkung belegen solche Studien allerdings nicht sicher. Erkranken Geimpfte trotzdem, verlief die Grippe in zahlreichen Studien milder und mit weniger Komplikationen als bei Ungeimpften[1].

Wen die Impfung besonders schützt

Die STIKO empfiehlt die Impfung jedes Jahr vor allem diesen Gruppen[2]:

Ab 60 JahrenMit dem Alter lässt die Abwehr nach, Infektionen verlaufen häufiger schwer[1]. Empfohlen ist die Impfung auch allen, die in einem Pflegeheim leben[2].

Chronische ErkrankungenZum Beispiel Diabetes, Erkrankungen von Herz, Lunge, Leber oder Nieren, Multiple Sklerose oder eine Abwehrschwäche[2]. Das Risiko für schwere Verläufe ist erhöht[1].

SchwangerschaftAb dem zweiten Drittel, bei einer Grunderkrankung schon früher[2]. Über die Plazenta gibt die Mutter Antikörper weiter, die das Kind in den ersten Lebensmonaten schützen[1].

Umfeld und BerufFür alle, die gefährdete Menschen betreuen oder mit ihnen zusammenleben, und für Beschäftigte im Gesundheitswesen oder mit viel Publikumsverkehr[2].

Impfung in unserer Praxis

Sie können sich bei uns im Leipziger Norden impfen lassen. Termine vereinbaren Sie über Doctolib oder unter 0341 5210871, gern auch beim nächsten Besuch. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass mit, dann sehen wir auch nach, ob Impfungen gegen Pneumokokken oder RSV anstehen. Die Corona-Auffrischung, empfohlen ab 75 Jahren und bei bestimmten Vorerkrankungen[7], ist am selben Termin möglich[1].

Ist die Grippeimpfung für Sie keine Kassenleistung, nennen wir Ihnen die Kosten vorher. Bei privater Versicherung gilt Ihr Tarif.

Häufige Fragen

Kann ich mich bei einer Erkältung impfen lassen?

Bei einem leichten Infekt ohne Fieber in der Regel ja. Bei Fieber ab 38,5 Grad oder einer stärkeren Erkrankung holen wir die Impfung nach, sobald Sie wieder gesund sind[1][2].

Kann die Impfung eine Grippe auslösen?

Nein. Grippeimpfstoffe für Erwachsene enthalten keine vermehrungsfähigen Viren[1]. Häufig schmerzt die Einstichstelle oder ist gerötet, gelegentlich fühlt man sich ein bis zwei Tage abgeschlagen wie bei einer leichten Erkältung[1].

Ich nehme Blutverdünner. Ist die Impfung trotzdem möglich?

In der Regel ja. Sagen Sie uns bitte vorher Bescheid. Wir impfen dann mit einer feinen Nadel und drücken die Einstichstelle danach mindestens zwei Minuten fest ab[2].

Quellenangaben

  1. Robert Koch-Institut. Schutzimpfung gegen Influenza: Antworten auf häufig gestellte Fragen. Stand 10.09.2026.
  2. Ständige Impfkommission (STIKO). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin. 2026;4.
  3. Sächsische Impfkommission (SIKO). Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat Sachsen (Impfempfehlung E 1), aktuelle Fassung.
  4. Fröbert O, Götberg M, Erlinge D et al. Influenza Vaccination After Myocardial Infarction: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Multicenter Trial. Circulation. 2021;144(18):1476–1484.
  5. Kwong JC, Schwartz KL, Campitelli MA et al. Acute Myocardial Infarction after Laboratory-Confirmed Influenza Infection. N Engl J Med. 2018;378(4):345–353.
  6. Vamos EP, Pape UJ, Curcin V et al. Effectiveness of the influenza vaccine in preventing admission to hospital and death in people with type 2 diabetes. CMAJ. 2016;188(14):E342–E351.
  7. Ständige Impfkommission (STIKO). Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. Epidemiologisches Bulletin. 2026;28.

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