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Fettleber (MASLD): Diagnostik und Behandlung

Rund jeder dritte Erwachsene hat eine Fettleber — meist ohne es zu wissen. In frühen Stadien ist sie rückbildungsfähig. Eine Übersicht über Einordnung, Abklärung und Therapie.

von dr. med. univ. Albrecht Wenzel · Juli 2026

Die Diagnose fällt meist nebenbei: eine Routine-Sonographie, ein leicht erhöhter Leberwert — „Sie haben eine Fettleber." Beschwerden macht sie zunächst kaum — und wird deshalb oft nicht weiter abgeklärt. Dabei ist sie die häufigste Lebererkrankung überhaupt[1].

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Fettleber (MASLD) ist eine Stoffwechselerkrankung — eng verknüpft mit Übergewicht, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes.
  • Sie verursacht meist keine Beschwerden; auch normale Leberwerte schließen sie nicht aus.
  • Die Elastographie misst das Stadium der Vernarbung — ohne Eingriff, mit objektiver Verlaufskontrolle.
  • Wirksamste Therapie: 5–10 % Gewichtsreduktion, mediterrane Ernährung, Bewegung — in frühen Stadien ist die Fettleber rückbildungsfähig.

Was eine Fettleber ist — und warum sie heute MASLD heißt

Von einer Fettleber spricht man, wenn sich in mehr als fünf Prozent der Leberzellen Fett einlagert. In den allermeisten Fällen ist nicht Alkohol die Ursache, sondern der Stoffwechsel: Übergewicht, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfette und Bluthochdruck. Die Fachwelt hat die Erkrankung deshalb umbenannt — aus der „nicht-alkoholischen Fettleber" (NAFLD) wurde die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)[2]. Der Name stellt klar: Es handelt sich um eine Stoffwechselerkrankung. Etwa jeder dritte Erwachsene weltweit ist betroffen[1].

Verlauf ohne Beschwerden: warum die Abklärung wichtig ist

Auch eine deutlich verfettete Leber verursacht oft weder Schmerzen noch auffällige Laborwerte — normale Leberwerte schließen eine Fettleber nicht aus[2]. Bleibt sie über Jahre bestehen, kann aus der reinen Verfettung eine Entzündung werden (MASH), aus der Entzündung eine zunehmende Vernarbung (Fibrose) bis hin zur Zirrhose. Und noch bevor die Leber selbst Schaden nimmt, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko — es ist die häufigste Folgeerkrankung bei MASLD[2]. Für die Prognose zählt vor allem: In welchem Stadium ist die Leber, und in welche Richtung entwickelt sie sich?

Diagnostik: Labor, Ultraschall, Elastographie

Die Abklärung ist unkompliziert und nicht invasiv: Labor (Leberwerte, Blutfette, Blutzucker inklusive HbA1c, daraus auch der FIB-4-Risikoindex), Ultraschall der Leber — und bei Bedarf die Leberelastographie: Sie misst die Steifigkeit des Lebergewebes und macht damit die Vernarbung messbar, für die früher eine Gewebeprobe nötig war. So lässt sich einordnen, ob es bei der harmlosen Verfettung geblieben ist oder ob die Leber bereits reagiert — und der Verlauf lässt sich bei Kontrollen objektiv vergleichen.

Behandlung: Gewicht, Ernährung, Bewegung

In frühen Stadien ist die Fettleber rückbildungsfähig. Die wirksamste Maßnahme ist die Gewichtsreduktion — bereits etwa fünf Prozent weniger Körpergewicht reduzieren das Leberfett messbar, ab sieben bis zehn Prozent können sich auch Entzündung und beginnende Vernarbung zurückbilden[3,4]. Dazu kommen eine mediterran orientierte Ernährung, deutlich weniger Fruktose (vor allem aus Softdrinks und Säften) und möglichst wenig Alkohol; eine verfettete Leber verträgt ihn schlechter. Regelmäßige Bewegung verbessert den Leberstoffwechsel übrigens auch dann, wenn das Gewicht sich zunächst kaum ändert[2].

Medikamentöse Therapie: Stand der Studien

Ein in Deutschland zugelassenes Standardmedikament gegen die Fettleber selbst gibt es derzeit nicht — behandelt werden vor allem die Treiber: Diabetes, Blutfette, Blutdruck, Übergewicht. Die Studienlage entwickelt sich allerdings: Für Semaglutid, einen GLP-1-Rezeptoragonisten, zeigte eine große Phase-III-Studie bei Fettleberentzündung (MASH) eine signifikant häufigere Rückbildung der Entzündung als unter Placebo[5]. Für Patientinnen und Patienten, die wegen Typ-2-Diabetes oder Adipositas ohnehin für eine solche Therapie infrage kommen, ist die Leber damit ein Argument mehr — die Einordnung besprechen wir individuell in der Adipositas-Sprechstunde oder der diabetologischen Sprechstunde.

Wie wir vorgehen

Wir klären das Stadium (Labor, Ultraschall, Elastographie), suchen die Treiber — Insulinresistenz, Ernährungsmuster, Schlaf — und erstellen daraus einen konkreten Plan: ernährungsmedizinisch begleitet und mit Verlaufskontrollen per Elastographie, die den Erfolg messbar machen.

Quellenangaben

  1. Younossi ZM et al. The global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD): a systematic review and meta-analysis. Hepatology. 2023;77(4):1335–1347.
  2. EASL–EASD–EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). J Hepatol. 2024;81(3):492–542.
  3. Vilar-Gomez E et al. Weight loss through lifestyle modification significantly reduces features of nonalcoholic steatohepatitis. Gastroenterology. 2015;149(2):367–378.
  4. S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung. AWMF-Register Nr. 021-025, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), 2022.
  5. Sanyal AJ et al. Phase-3-Studie zu Semaglutid bei metabolischer Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis (ESSENCE). N Engl J Med. 2025.

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