Adipositastherapie nach S3-Leitlinie
Strukturierte Hilfe beim Abnehmen — ohne Schuld, ohne Versprechen, mit Plan.
Diese Seite gehört zu unserem Schwerpunkt Schlaf & Gewicht. Die vollständige Version mit allen Details finden Sie hier: Adipositastherapie im Detail →
Vielleicht haben Sie schon vieles probiert. Diäten, Apps, Programme, Vorsätze. Vielleicht haben Sie das Gefühl, alle Ratschläge schon gehört zu haben — und trotzdem nicht weitergekommen zu sein.
Das ist häufig. Und es liegt nicht an Disziplin.
Adipositas ist eine chronische Erkrankung mit neurobiologischen, hormonellen und Umweltfaktoren — nicht primär eine Frage der Willenskraft. Die S3-Leitlinie AWMF 050-001 (Update 2024) der deutschen Fachgesellschaften[1] empfiehlt eine multimodale Therapie, die medizinische, ernährungsmedizinische, bewegungsbezogene und verhaltensmedizinische Aspekte integriert.
Wie das Gespräch läuft — ohne Zeigefinger
Unser Gesprächsrahmen folgt den 5As of Obesity Management (Obesity Canada / Canadian Obesity Network, Sharma et al.):
In der Praxis bewährt sich ein behutsames Vorgehen: eine Veränderung pro Termin. Wir stellen nicht das ganze Leben auf einmal auf den Kopf, sondern setzen Schritt für Schritt an dem an, was im Alltag realistisch tragbar ist — und prüfen beim nächsten Termin, was funktioniert hat und was nicht.
Strukturiert abnehmen — ärztlich begleitet
Dauerhaft abnehmen funktioniert nicht mit Crashdiäten oder kurzfristigen Maßnahmen. Wir empfehlen ein langfristig strukturiertes Vorgehen für:
- BMI ≥ 30 kg/m² (Adipositas Grad I–III), oder
- BMI ≥ 27 kg/m² mit Begleiterkrankungen (arterielle Hypertonie, Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom, OSA)
Das Ziel ist eine Gewichtsreduktion von 5–10 % innerhalb von 6–12 Monaten. Bereits diese moderate Reduktion führt laut S3-Leitlinie[1] zu messbaren Verbesserungen: Verbesserung der Insulinresistenz und Blutzuckerkontrolle, Blutdrucksenkung, Verbesserung der Blutfette sowie Reduktion des Schweregrades einer obstruktiven Schlafapnoe.
Wenn Abnehmen nicht funktioniert: erst die Ursachen klären
Viele Patientinnen und Patienten kommen mit derselben Erfahrung: Sie haben mehrfach ernsthaft versucht abzunehmen — und das Gewicht kam zurück oder ging nie herunter. Bevor wir über Therapie sprechen, klären wir deshalb, ob eine körperliche Ursache im Weg steht. Häufig sind:
- Schilddrüsenunterfunktion — bremst den Grundumsatz; über den TSH-Wert und die Schilddrüsensonographie schnell geklärt
- Insulinresistenz und Prädiabetes — erschweren den Fettabbau; erkennbar über HbA1c, Nüchternwerte und bei Bedarf einen Glukosesensor
- Unerkannte Schlafapnoe — gestörter Schlaf verschiebt Hunger- und Sättigungshormone; abklärbar mit einer Messnacht zuhause
- Medikamente — manche Antidepressiva, Kortisonpräparate, Betablocker und Antidiabetika begünstigen eine Gewichtszunahme; häufig gibt es Alternativen
Diese Abklärung unterscheidet das Abnehmen auf Verdacht von einer Behandlung, die an der tatsächlichen Ursache ansetzt — und sie steht bei uns am Anfang, nicht am Ende.
Was die Behandlung umfasst
- Medizinische Anamnese & Zieldefinition: Erfassung von Gewichtsverlauf, Begleiterkrankungen, Medikationen, psychosozialen Faktoren und realistische Zielvereinbarung.
- Ernährungsmedizinische Beratung: Beratung durch einen Facharzt mit Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin — konkret: Was essen Sie, warum, und was lässt sich realistisch ändern?
- Bewegungskonzept: Empfehlungen, die zu Ihrem Alltag passen — nicht das Standardblatt mit 10.000 Schritten.
- Verhaltensmedizinische Aspekte: Unterstützung bei Verhaltensänderungen, Umgang mit Stressoren, emotionalem Essen und psychologischen Barrieren.
- Medikamentöse Optionen: Bei Bedarf GLP-1-Rezeptoragonisten (z. B. Semaglutid, Tirzepatid) als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) mit vollständiger Kostentransparenz vorab.
- Begleitdiagnostik: Laborchemie, Blutdruckmonitoring, Körperzusammensetzungsanalyse (BIA), ggf. Schlafdiagnostik zur Erfassung von Schlafapnoe.
dr. med. univ. Albrecht Wenzel ist zertifizierter Adiposiologe (DAG-DDG, 2024) und aktives Mitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Die Therapie richtet sich nach der aktuellen S3-Leitlinie Adipositas (AWMF 050-001).
Schlaf und Gewichtsregulation
Schlafmangel und Schlafstörungen beeinflussen den Metabolismus durch mehrere Mechanismen:
Schlafmangel verschiebt die Appetithormone Ghrelin und Leptin, fördert die viszerale Fetteinlagerung und verschlechtert die Insulinsensitivität[2,3,6] — die Mechanismen und Studien dazu haben wir im Beitrag Schlaf und Abnehmen zusammengefasst.
Adipositas ist der Hauptrisikofaktor für obstruktive Schlafapnoe (OSA)[3,4]. Umgekehrt kann OSA das Körpergewicht erhöhen. Daher integrieren wir Schlafdiagnostik und -therapie in die Adipositastherapie.
GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion sind keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten besprechen wir transparent, bevor eine Behandlung beginnt — Details auf unserer Seite zur Abnehmspritze.
Quellenangaben
- S3-Leitlinie Adipositas — Prävention und Therapie. AWMF-Register Nr. 050-001, Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), aktualisiert 2024.
- Spiegel K, Tasali E, Penev P, Van Cauter E. Brief communication: Sleep curtailment in healthy young men is associated with decreased leptin levels, elevated ghrelin levels, and increased hunger and appetite. Ann Intern Med. 2004;141(11):846–850.
- S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen. AWMF-Register Nr. 063-001, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), 2017; Teilaktualisierung 2020.
- Peppard PE, Young T, Palta M et al. Longitudinal study of moderate weight change and sleep-disordered breathing. JAMA. 2000;284(23):3015–3021.
- Tasali E, Wroblewski K, Kahn E et al. Effect of Sleep Extension on Objectively Assessed Energy Intake Among Adults With Overweight in Real-life Settings. JAMA Intern Med. 2022;182(4):365–374.
- Reutrakul S, Van Cauter E. Sleep influences on obesity, insulin resistance, and risk of type 2 diabetes. Metabolism. 2018;84:56–66.
Kontakt & Sprechzeiten
Vereinbaren Sie einen Termin oder kontaktieren Sie uns
Kontaktinformationen
04159 Leipzig
Sprechzeiten
| Montag | 08:00 – 12:00 13:00 – 15:00 |
|---|---|
| Dienstag | 08:00 – 12:00 13:00 – 18:00 |
| Mittwoch | 08:00 – 12:00 13:00 – 15:00 |
| Donnerstag | 08:00 – 12:00 13:00 – 15:30 (ausführliche Sprechstunde, n. Vereinb.) |
| Freitag | 08:00 – 12:00 |
Akutsprechstunde (ohne Termin)
| Mo & Di | 08:00 – 09:30 |
|---|---|
| Mi – Fr | 08:00 – 09:00 |
Hinweis: Telefonisch erreichbar während der Sprechzeiten unter 0341 5210871