Schnarchen — wann ist eine Abklärung sinnvoll?

Schnarchen allein ist oft harmlos. Aber wenn es mit anderen Symptomen einhergeht, kann eine Schlafapnoe dahinter stecken, die behandelt werden sollte.

Schnarchen ist nicht peinlich — es ist ein Hinweis. Bei vielen unserer Patienten war es der Partner oder die Partnerin, die den Anstoß zur Abklärung gegeben hat. Auch das ist okay.

Schnarchen ist sehr häufig und bei vielen Menschen harmlos. Allerdings kann Schnarchen zusammen mit bestimmten Begleitsymptomen ein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Atmungsstörung sein. Eine genaue Abklärung ist dann wichtig, um zwischen primärem Schnarchen und obstruktiver Schlafapnoe (OSA) zu unterscheiden.

Warum schnarcht man? Die häufigsten Ursachen

Schnarchen entsteht, wenn der Atemluftstrom die im Schlaf erschlafften Weichteile im Rachen — Gaumensegel, Zäpfchen und Zungengrund — in Schwingung versetzt. Sobald die Muskelspannung nachlässt, wird der Rachen enger, und die typischen Geräusche entstehen. Begünstigend wirken:

  • Rückenlage: Die Zunge fällt nach hinten und verengt den Rachen — lagebedingtes Schnarchen ist besonders häufig.
  • Übergewicht: Fetteinlagerungen im Halsbereich verengen die Atemwege. Das Gewicht ist einer der stärksten beeinflussbaren Faktoren — und der Grund, warum wir Schnarchen und Gewicht zusammen betrachten.
  • Alkohol und Schlafmittel am Abend: Sie entspannen die Rachenmuskulatur zusätzlich.
  • Behinderte Nasenatmung: etwa durch eine verkrümmte Nasenscheidewand, Polypen oder eine verstopfte Nase bei Erkältung und Allergie.
  • Anatomische Faktoren: ein tiefstehendes Gaumensegel, große Mandeln oder ein zurückliegender Unterkiefer.
  • Alter und Geschlecht: Mit den Jahren erschlafft das Gewebe; Männer sind häufiger betroffen, Frauen holen nach den Wechseljahren auf.

Warnzeichen für ein ernstes Problem

Folgende Begleiterscheinungen sollten Sie ernst nehmen und zu einer ärztlichen Abklärung führen:

  • Übermäßige Tagessomnolenz: Starke Müdigkeit tagsüber, unwillkürliches Einschlafen
  • Nicht erholsamer Schlaf: Trotz ausreichender Schlafdauer, morgens nicht ausgeruht
  • Beobachtete Atemaussetzer: Partner berichtet von Atempausen während des Schlafs
  • Morgendliche Kopfschmerzen: Besonders am frühesten Morgen nach dem Aufwachen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen: Schwäche bei der Arbeit oder zuhause
  • Sekundenschlaf: Unwillkürliches Einnicken in gefährlichen Situationen (z.B. beim Autofahren)

Diese Symptome können auf eine obstruktive Schlafapnoe (OSA) hinweisen. OSA ist nicht nur eine Schlafstörung — sie ist mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Diabetes assoziiert[1,2]. Eine Abklärung ist daher sinnvoll. Eine erste Selbsteinschätzung Ihrer Tagesmüdigkeit gibt Ihnen der Epworth-Selbsttest.

Schnarchen oder Schlafapnoe — wo ist der Unterschied?

Das ist die entscheidende Frage — und von außen nicht sicher zu beantworten. Beim primären, harmlosen Schnarchen ist das Geräusch zwar störend, die Atmung bleibt aber ungestört und der Sauerstoffgehalt im Blut normal. Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es dagegen zu wiederholten, teils dutzendfachen Atemaussetzern pro Stunde mit Sauerstoffabfällen — der Körper wird nachts immer wieder in Alarmbereitschaft versetzt, ohne dass Betroffene es bemerken. Der Unterschied ist nicht am Klang erkennbar, sondern nur über eine Messung. Genau dafür gibt es die ambulante Polygraphie.

Was hilft gegen Schnarchen?

Wenn eine Schlafapnoe ausgeschlossen ist, lässt sich einfaches Schnarchen oft schon mit Änderungen im Alltag deutlich bessern:

  • Seitenlage statt Rückenlage: bei lagebedingtem Schnarchen der wirksamste einfache Hebel — es gibt Hilfsmittel, die die Rückenlage verhindern.
  • Gewicht reduzieren: schon wenige Kilo weniger entlasten die Atemwege spürbar.
  • Abends auf Alkohol verzichten und Schlafmittel möglichst meiden.
  • Freie Nasenatmung: Allergien behandeln, bei anhaltend verstopfter Nase HNO-ärztlich abklären lassen.
  • Feste Schlafzeiten und ausreichend Schlaf.

Reicht das nicht, gibt es weitere Optionen wie eine individuell angepasste Unterkiefer-Protrusionsschiene (über den Zahnarzt) oder — bei entsprechendem Befund — HNO-ärztliche Eingriffe. Wichtig bleibt die Reihenfolge: erst die Abklärung, dann die passende Maßnahme. Denn hinter hartnäckigem Schnarchen kann eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe stecken, die mehr braucht als Hausmittel.

Diagnostik in unserer Praxis

Ambulante Polygraphie

Mit der ambulanten Polygraphie unterscheiden wir zwischen:

  • Primäres Schnarchen: Schnarchen ohne Atemaussetzer oder Sauerstoffabfall
  • Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) / OSA: Schnarchen mit messbaren Atemaussetzern und/oder Sauerstoffabfällen

Das Verfahren

Die Polygraphie ist ein tragbares Gerät, das Sie zuhause tragen. Gemessen werden Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Schnarchen und Körperlage. Das Ergebnis ist eine Kassenleistung und liefert eine genaue Einordnung Ihres Schnarchens.

Therapie bei Verdacht auf OSA

Bei Nachweis einer obstruktiven Schlafapnoe erfolgt:

  • Leitliniengerechte Therapieplanung (z.B. CPAP, Gewichtsreduktion, Lagerungstherapie)
  • Regelmäßige Kontrolle und Therapieanpassung in der Praxis
  • Bei Bedarf Überweisung zum Schlaflabor (Polysomnographie, spezialisierte Optionen)
Kassenleistung

Die ambulante Polygraphie ist eine Kassenleistung und wird von den Krankenkassen bezahlt. Sie können beruhigt zur Abklärung kommen.

Quellenangaben

  1. S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen. AWMF-Register Nr. 063-001, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), 2017.
  2. Marin JM, Carrizo SJ, Vicente E, Agusti AG. Long-term cardiovascular outcomes in men with obstructive sleep apnoea-hypopnoea. Lancet. 2005;365(9464):1046–1053.

Adresse

Georg-Schumann-Straße 257 · 2. OG
04159 Leipzig

Kontakt

Tel: 0341 5210871
E-Mail: info@internist-wenzel.de

Termin

Online buchen

Termin vereinbaren →